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Modellerstellung auf der
Basis von Computertomographie-Daten
Modellerstellung des menschlichen
Bewegungsapparats aus Computertomographiedaten:
Zur Simulation des menschlichen Bewegungsapparats mit der
Finiten-Elemente-Methode werden grundsätzlich drei Datensätze
benötigt: |
- die Geometrie der zu untersuchenden
Struktur,
- das Materialverhalten der Struktur,
- physiologische Randbedingungen.
Die nebenstehende Abbildung zeigt eine
Übersicht über das vorliegende Arbeitsgebiet:
Um eine individuelle Analyse für
jeden Patienten zu ermöglichen, müssen die lokalen
Gegebenheiten, also die Geometrie, das Materialverhalten und die
physiologischen Randbedingungen in die Modellerstellung mit
einfließen. Für die Modellerstellung scheinen daher
Datenbilder eines Computertomographen (CT) in besonderem Maße
geeignet, da sie die eine Abbildung des menschlichen Körpers in
vivo liefern. Bei den CT-Bildern handelt es sich um
Schichtaufnahmen eines Körpers mittels der Röntgentechnik.
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Abb.1: Übersicht
über das Arbeitsgebiet
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| Dabei werden Absorptionsmessungen
eines um den Körper rotierenden Strahler-Detektor-Systems
(Abbildung 2) aufgenommen und anschließend auf ebene Schichten
vom Computer umgerechnet. Die digitalen Bilder liegen nach der Aufnahme
durch den Computertomographen im genormten radiologischen ACR-NEMA
Dateiformat vor. Jeder Datenpunkt eines CT-Bildes repräsentiert
ein Viereck (Pixel), das sich aus dem Quotienten des
Scanfelddurchmessers und der Pixelauflösung des gescannten Bildes
ergibt. In Kombination mit der abgetasteten Schichtdicke ergibt sich
für jeden Bildpunkt ein quaderförmiges Volumen, ein
sogenanntes Voxel. Die FAM arbeitet dabei sowohl mit Daten des Visible
Human Project1, als auch mit CT-Daten aus lokalen
Krankenhäusern.
1 The
Visible Human Project, USA
http://www.nlm.nih.gov/research/visible/visible_human.html
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Abb.2: Prinzipskizze
eines Computertomographen
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Die FAM
hat Applikationen entwickelt, die es ermöglichen, eine
möglichst schnelle und automatisierte Segmentierung der
Knochenstrukturen des menschlichen Bewegungsapparates aus CT-Bildern
vorzunehmen. Dabei wird das Visualisierungssystem AVS-Express als
Grundlage der Benutzungsoberfläche eingesetzt. Durch geschickten
Einsatz und Kombination verschiedener implementierter Filtertechniken
wird durch das Programm FAM-FiltCT
(Abbildung 3) die Datensegmentierung erheblich vereinfacht, indem der
manuelle Aufwand auf ein Minimum reduziert wird.
Nach der Datensegmentierung ergibt sich ein Volumen, das sich aus
denjenigen Voxeln zusammensetzt, welche zur segmentierten Struktur
gehören. Ein segmentierter Wirbelkörper ist in Abbildung 4
dargestellt. |
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Abb.3: Screenshot FAM-FiltRad
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| Aus den so segmentierten Daten
lässt sich auf zwei Arten die Geometrie der segmentierten Daten
abbilden:
Bei der Geometrieorientierten
Finite-Elemente -Modellerstellung (FAM-BoneCAD)
wird die segmentierte Struktur in ein CAD (Computer Aided
Design)-Modell überführt [1], [2]. Bei den CAD-Modellen
handelt es sich um Freiformflächenmodelle, die ein geschlossenes
Volumen umschließen. Diese Modelle werden bei der FAM mit dem Programmsystem I-DEAS der Firma
SDRC generiert. Ein Arbeitsgebiet der FAM ist die Automatisierung der
CAD-Modellerstellung. Die Modelle können nach der Generierung mit
dem Netzgenerator des Programms I-DEAS vernetzt und zur Simulation
weiterverarbeitet werden. Besonders vorteilhaft erweist sich diese
Methode, wenn der Einbau von Implantaten und Prothesen simuliert werden
soll, da die volle Funktionalität des CAD-Programms hier zum
Einsatz kommen kann. Einige Modelle sind in folgenden Abbildungen
dargestellt.
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Abb.4: Voxelmodell eines
segmentierten Wirbels
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| Abb.5:
v.l.:Modell eines Hüftgelenks, Kniegelenks, Unterschenkels
mit Sprunggelenk und eines Unterarms |
Die Voxelorientierte
Finite-Elemente-Modellerstellung (FAM-BoneFEM)
dient zur direkten Überführung der segmentierten CT-Daten in
ein Finite-Elemente-Modell. Dabei kommen Datenreduktionen und
Projektionsmethoden zum Einsatz [3]. Die FAM
konnte in den letzten Jahren weitreichende Erfahrungen und Kenntnisse
auf diesem Forschungsgebiet sammeln. Die Abbildung 6 zeigt einige, mit FAM-BoneFEM erzeugten FE-Netze. Dieses
Verfahren ist vollautomatisch und benötigt somit keine
programmspezifischen Kenntnisse des Benutzers. FAM-BoneFEM
eignet sich insbesondere zur Simulation von ungeschädigten
Knochenstrukturen, da zur geometrischen Modifikation von FE-Netzen
derzeit keine Programme zur Verfügung stehen.
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| Abb.6:
v.l.: FE-Netz einer Hüftpfanne, eines Oberschenkelknochens und
eines Wirbelkörpers |
Das Materialverhalten, hierbei
insbesondere der Elastizitätsmodul, kann, wie von Carter &
Hayes beschrieben, aus der physikalischen Dichte innerhalb eines
Elementes berechnet werden. Da sich die Absorptionsmessungen des
Computertomographen proportional zur physikalischen Dichte verhalten,
lassen sich die Dichten jedes Finiten Elementes durch Integration der
korrespondierenden CT-Dichtewerte berechnen. Theoretisch kann so jedem
Element ein eigenes Materialverhalten zugewiesen und somit den lokalen
Steifigkeitsänderungen Rechnung getragen werden. Untersuchungen
der FAM auf diesem Gebiet ergaben,
daß diese Vorgehensweise jedoch nicht praktikabel ist, da die
Rechenzeiten exponentiell mit der Anzahl der Materialien im Modell
steigen. An einer Applikation zur sinnvollen Umsetzung der
CT-Dichtewerte in Materialdaten wird gearbeitet.
Die physiologischen
Randbedingungen werden in der FAM
durch Absprache mit Medizinern und unter Zuhilfenahme entsprechender
Literatur an die erstellten Modelle angepasst. Anschließend
erfolgen die numerischen Simulationen
der erstellten Modelle.
Veröffentlichungen:
-
J. Weiser:
Automatisierte Erstellung von individuellen Computermodellen zur
Simulation des menschlichen Bewegungsapparates mittels der
Finite-Elemente-Methode. Fortschritt-Bericht VDI, Reihe 17:
Biotechnik/Medizintechnik Nr. 220, VDI-Verlag, Düsseldorf, 2002.
-
J. Weiser,
G. Kullmer, H. A. Richard:
FAM-BoneCAD - automatic generation of
CAD-models for bone structures from radiological data
In: J. Middleton, N. G. Shrive, M. L. Jones
(Eds.): Computer Methods in Biomechanics & Biomedical Engineering -
4, 2001, CD-ROM Proceedings of the 5th International Symposium on
Computer Methods in Biomechanics & Biomedical Engineering, Rome,
Italy, 2001.
-
J.
Weiser, G. Kullmer, H.
A. Richard:
FAM-BoneFEM - A new application for the
automatic generation of individual FEM models for bone structures from
radiological data
In: J. Middleton, N. G. Shrive, M. L. Jones
(Eds.): Computer Methods in Biomechanics & Biomedical Engineering -
4, 2001, CD-ROM Proceedings of the 5th International Symposium on
Computer Methods in Biomechanics & Biomedical Engineering, Rome,
Italy, 2001.
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25.01.2005
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